Die "Bandy" - Geschichte
 
Hockey und Bandy haben eine lange gemeinsame Geschichte und über Jahrhunderte wurde mit diesen beiden Begriffen die gleiche Stockballspiel-Mannschaftssportart bezeichnet.

Bandy-ähnliche Sportarten werden schon seit tausenden von Jahren gespielt.

Die älteste Aufzeichnung ist schon über 4.000 Jahre alt und stammt aus einem ägyptischen Pharaonengrab. In den Grabgemälden von Pharao Beni Hasan, im Niltal, nahe Minia in Ägypten, findet man schon ein Relief von Bandy-Spielern.

Auch im alten Persien gibt es Wandmalereien, die schon die Freizeitbeschäftigung "Bandy" zeigen.

Andere Bandy-ähnliche Spiele waren in früheren Jahrhunderten auch das "asiatische Polo" (welches ohne Pferde gespielt wurde), das japanische "Kachi" oder "Dakyu" und das aztekische "Cheuca" (welches mit gebogenen Rehknochen und einem hölzeren Ball gespielt wurde).

Historische Dokumente und Wandmalereien erwähnen Bandy-ähnliche Spiele auch schon im alten Griechenland (480 vor Chr.), zur Zeit des Krieges in Marathon.





Die alten Römer sollen dieses Spiel aus Griechenland übernommen haben und man nannte es "Paganica", welches mit einem gekrümmten Stock und einem Lederball gespielt wurde. Durch das römische Reich verbreitete sich dieses Spiel über den ganzen Mittelmeerraum und Europa.
Im Mittelalter wurden diese Spiele speziell in Nordeuropa populär.

In Island z.B. wurde es unter dem Begriff "Knatteikr" im 9ten Jahrhundert bekannt und besondere historische Wettkämpfe – mit den isländischen Heroen - werden noch heute in mehreren isländischen Legenden und Sagen erwähnt. Es wird behauptet, dass Auswanderer von den britischen Inseln diese Sportart bereits zu Anfang des ersten Jahrtausends nach Island gebracht hätten. In Irland entstand daraus die "Hurling"-Sportart welche dort noch heute traditionsbewußt und intensiv gespielt wird und sehr berühmt ist.

In Schottland entstand aus Bandy der "Shinty"-Sport. Der schottische König Alexander I (11tes Jahrhundert) soll z.B. nach Angaben in alten Geschichtsbüchern ein begeisterter Spieler gewesen sein. Shinty gehört in Schottland ebenfalls heute noch zu den einheimischen Traditions-Sportarten und wird heute in einer Liga aus 40 Vereinen gespielt.

Schon ein Kirchenfenster der Kathedrale von Canterbury aus dem 13ten Jahrhundert zeigt junge Pfarrer - während ihrer Freizeit - als Spieler mit einem gekrümmten Stock und einem Ball auf einer Eisfläche Bandy spielen. 




In einem über 200 Jahre alten englischen Buch über "Sports and past times" von Joseph Strutt aus dem Jahre 1801 wurde Bandy als populärer Wintersport des Mittelalters beschrieben. In diesem Buch wird auch beschrieben, dass der Name "Bandy" von dem englischen Wort 'bent stick'oder'bando-stick' (walisisch) – für gekrümmten Stock – herkommen soll. In Walisisch heißt 'bando' (vom alt-teutonischen Ausdruck 'bandja') "krummer Stock" und in einem volkshistorischen Museum in Wales werden heute noch solche Bandy-Spielstöcke aus dem 14ten Jahrhundert ausgestellt. Übrigens: Im Englischen sagt man heute noch zu Menschen mit O-Beinen, sie seien "bandylegged" (säbelbeinig).

In einem englischen Buch aus dem 14ten Jahrhundert findet man einen Stahlstich, auf dem ein Prediger auf Schlittschuhen zu finden ist, der einen Bandy-Stock hält.
Auch in William Shakespeares (1564 – 1616) "Romeo und Julia" wird Bandyexplizit erwähnt: "Der Prinz verbietet dort das Bandy-Spielen in den Straßen von Verona" ("The Prince expressly hath forbidden bandying in the Verona streets").

In Holland ist der alte Volkssport "Kolv" dem Bandy sehr ähnlich und ein holländisches Öl-Gemälde aus dem 16ten Jahrhundert zeigthier "Kolv"-Spieler auf dem Eis. "Kolv" war aber im Gegensatz zu Bandy, Hurling (der gälisch-irischen Bandy-Version) oder Shinty (der speziellen schottischen Bandy-Version) kein Mannschaftssport, sondern eher eine Art "Golf auf dem Eis".
In Frankreich nannte man Bandy "hocquet" und in England benutzte man auch das Wort "hawkey" für Bandy.
Auch in Nordosteuropa wurden Bandy-ähnliche Spiele gespielt: So sind in Russland die historischen Varianten "Julas", "Kotol" und "Kubar" dem Bandy-Spiel sehr ähnlich.

Der Ort "Bury Fen" – in Nordost-England – ist der Geburtsort des modernen Bandy-Eissports.

Mitte des 18ten Jahrhunderts gründeten sich in England Bandy-Clubs: u. a. der Bury Fen Bandy Club, Sheffield United (1855), Nottingham Forrest (1865) usw.. England war damit zunächst die Geburtsstätte des modernen Bandy-Spiels der Neuzeit – auch wenn heute über 100 Jahre später Bandy in England wieder eine unbekannte Sportart geworden ist. Der englische Fen-Distrikt (Camebridgeshire und Lincolnshire) war damals die Bandy-Hochburg. Das erste Bandy-Match fand 1875 zwischen zwei Londoner-Bandy-Clubs statt.

Zunächst waren die Bandy-Spielregeln noch nicht festgelegt und man einigte sich jeweils erst vor dem Spiel, nach welchen Regeln gespielt werden sollte.
Erst im Jahre 1891 wurden in England mit der Gründung der "National Bandy Association" die Spielregeln festgelegt und beschlossen, dass Bandy eine Eissportart ist und somit im Winter auf zugefrorenen Seen, auf 65 m x 110 m großen Spielfeldern mit 11 Spielern gespielt wird. Die Regeln waren ansonsten ähnlich denen des Fußballs (Soccer) bzw. denen des Feldhockeys.




Ende des 18ten Jahrhunderts wurde Bandy nach Skandinavien, Deutschland und in die Schweiz exportiert:
  • Seit 1880 wurde Bandy in der Schweiz gespielt und seit 1894 gehörte der Bandy-Wettbewerb zwischen St.Moritz und Davos zu den jährlichen Wintersport-Attraktionen.
  • In Berlin wurden 1901 der erste deutsche Bandy-Verein - der Charlottenburger Eislaufverein - gegründet, der seine Spiele im Winter auf dem Spree-Damm austrug.
  • In Schweden gründete der Engländer Clarence von Rosen 1895 den ersten Bandy-Club und 1901 wurde der erste Wettbewerb zwischen Uppsala und Stockholm ausgetragen.
  • Auch in Holland – in Haarlem – wurde bereits 1891 der erste Bandy-Club gegründet.
Ein Engländer - C.G.Tebbutt - aus der Region Bury Fen konnte zur Jahrhundertwende um 1900 als der "Bandy-Missionar" bezeichnet werden - er reiste von Land zu Land und motivierte Spieler nach den neuen "Bury-Fen"-Regeln Bandy zu spielen.

Es gab dann auch auch schnell erste Bandy-Liga-Wettbewerbe in Holland, in der Schweiz, in Deutschland, in Russland (1898), in Norwegen (1903), in Schweden (1907) und Finnland (1908).

Die erste Bandy-Europameisterschaft fand bereits 1913 in der Schweiz statt.

Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges "verschwand" das Bandy-Spiel aber leider in vielen Ländern von der Bildfläche und geriet in Vergessenheit

Neben den Wirren des ersten Weltkrieges sorgte vor allem aber die neuen "Canadian-Rules" des Eishockeys zu Anfang des frühen 19ten Jahrhunderts dafür, dass viele Bandy-Sportler und -Vereine zu dieser neueren, populäreren Eisstockspiel-Variante "Eishockey" wechselten.

Die Begriffe "Bandy" und "Hockey" wurden über Jahrhunderte für die gleiche Sportart benutzt:
  • für ein Mannschafts-Stockballspiel,
  • mit 11 Spielern
  • mit gebogenen Stöcken als Schläger,
  • mit einem Ball, der in ein gegnerisches Tor geschlagen werden musste,
  • und welches auf einem ca. Fußballplatz-großen Spielfeld ausgetragen wird,
  • und welches im Sommer auf Gras und im Winter auf Eis gespielt wird.
Anfang des frühen 19. Jahrhunderts trennten sich die Bandy- und Hockey-Wege:

Ab circa 1860 ersetzte beim Eishockey ein sog. "Puck" (also eine Scheibe aus Hartgummi) den bis dahin üblichen Ball. Die Kanadier W.Robertson und R.Smith, zwei Studenten der McGill-Universität (Kanada), entwarfen dann die ersten Regeln für das heutige Eishockey (in denen sie Bestimmungen aus dem Feldhockey und dem Rugby kombinierten) – die als sog. "Canadian-Rules" für eine Trennung der beiden Sportarten Bandy und Eishockey sorgten.

Außerdem wurde beim modernen Eishockey das ursprünglich Fußballplatz-große Spielfeld auf ca. 60 m x 28 m verkleinert und Eishockey konnte somit witterungsunabhängig auch in den zu Anfang des 19ten Jahrhunderts aufkommenden Eishallen gespielt werden. Aufgrund der Fußballplatz-großen Spielfläche beim Bandy-Sport hatte diese Sportart den Nachteil, dass man Bandy nur in sehr kalten Regionen auf zugefrorenen Seen usw. spielen konnte.

Viele Bandy-Clubs wechselten dann Anfang des 20ten Jahrhunderts ins Eishockey-Lager und der Bandy-Sport verschwand in vielen Ländern der Welt von der Bildfläche und geriet in die Vergessenheit – so in Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien England, USA, Kanada usw..

Nur In Russland, Schweden, Finnland und Norwegen spielte man weiterhin Bandy.

Im Jahre 1955 wurde dann die International-Bandy-Federation – IBF – gegründet, die seither alle 2 Jahre eine Bandy-Weltmeisterschaft ausrichtet und sogar assoziertes Mitglied des Olympischen-Kommitees ist. Bei den olympischen Winterspielen 1952 in Oslo war Bandy sogar schon einmal "olympisch" – als sog. Exhibition-Sportart.



Seit der Gründung der IBF - International-Bandy-Federation kümmert man sich nun um die weltweite Re-Aktivierung des Bandy-Sports – z.Tl. in Kooperation mit der amerikanischen Softball Association und dem Unihockey-Verband – um diese "vergessenen" Sportarten wieder populärer zu machen. In vielen Ländern spielt man Bandy heute auch auf kleineren 60 m x 28 m großen Eisflächen, in Hallen, mit 6:6 Spielern und hat damit nicht mehr das Handicap gegenüber dem Eishockey. Die alle 2 Jahre stattfindenden Bandy-Weltmeisterschaften – meistens in Oulo-Tornio in Finnland finden aber traditionsbewusst weiterhin im Freien, auf 110 m x 65 m großen Spielfeldern mit 11:11 Spielern statt.

In den 70er Jahren wurde Bandy daher "wiederentdeckt" und heute gibt es in Russland, in Schweden, in Finnland, in Norwegen, in den Niederlanden, in Ungarn, in Kasachstan, in Weißrussland, in den USA und in Kanada reguläre Bandy-Liga-Betriebe.

Bandy-Weltmeisterschaften:
Senioreren:
2001 = Finnland - 2003 = Norwegen-2005 = Russland
Junioren(< 19 J.): 2000 = Schweden - 2002 = Russland - 2004 = Finnland
Junioren(< 17 J.): 2001 = Schweden - 2003 = Finnland - 2005 = Norwegen
Junioren (< 15 J.): 2000 = USA - 2002 = Schweden - 2004 = Russland

Hier ein Foto vom Finale Russland : Schweden der letzten Bandy-Weltmeisterschaft 2001 in Oulo-Tonio in Finnland vom 23.3.-1.4.2001:

      

Der Neusser Schlittschuh-Klub – NSK hat nun schon seit Jahren eine eigene Bandy - Abteilung um diesen schönen Sport auch in Deutschland wieder bekannter zu machen.

Die NSK-Mannschaft - "NSK-Ducks" - nimmt seit Jahren an internationalen Bandy-Wettbewerben teil.

                     
 

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