Von den geplanten Online-Durchsuchungen sind Provider und ihre Kunden massiv betroffen.
Wie aus der Antwort
des Bundesinnenministeriums auf den Fragenkatalog des Bundesjustizministeriums
hervorgeht, umfasst die geplante Online- Durchsuchung weit mehr als nur den PC
eines Verdächtigen, sondern auch dessen Smartphone, sein Navigationsgerät und
ebenso den Server seines Providers.
Dazu meint Klaus Landefeld, Vorstand Infrastruktur
und Netze des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft eco e.V.: "Um es klar
zu sagen: eine Online-Durchsuchung ist technisch nichts anderes als
erfolgreiches Hacking. Wird der Provider eines Verdächtigen derart durchsucht,
hat er einen erheblichen Image-Schaden zu befürchten. Und das zu recht.
Online-Dienstleistungen sind gewissermaßen die Nervenfasern der
Informationsgesellschaft. Sicherheit und Vertrauen in die Sicherheit sind
unverzichtbar, nicht nur für den wirtschaftlichen Erfolg unserer Branche,
sondern auch für den unserer Kunden. Es wäre leichtfertig und verantwortungslos,
dies für die angeblich nur zehn geplanten Online-Durchsuchungen im Jahr aufs
Spiel zu setzen. Deshalb appelliere ich an die Innenminister von Bund und
Ländern, ihre Position zum Thema Online- Durchsuchung noch einmal zu überdenken.
Zumindest sollte die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum
NRW-Verfassungsschutzgesetz abgewartet
werden."
Immer mehr Daten werden ins Web ausgelagert
Der aktuelle Trend geht zur Auslagerung von Daten ins
Web, denn die Vorteile für Unternehmen und Verbraucher sind immens. Sie haben
von überall schnellen Zugriff auf ihre Daten, wissen diese gut gesichert und für
verschiedene Anwendungen fertig aufbereitet. Würde aber das Vertrauen in die
Sicherheit der Daten erschüttert, dann würde dieser Markt einbrechen. Der
wirtschaftliche Schaden sowohl für die Provider als auch für ihre Kunden wäre
enorm. Hintergrund ist, dass die so genannte Online-Durchsuchung nichts anderes
ist als ein gelungenes Hacking. Die Methoden von kriminellen Hackern und Polizei
sind technisch genau die gleichen. Ein Provider, der das Pech hat, einen
Verdächtigen unter seinen Kunden zu haben, kann künftig jederzeit Ziel der
Angriffe von Bundes-Trojanern werden. Während die Fahnder danach vielleicht
öffentlich ihren Erfolg feiern, sieht der nichts ahnende Provider des
Verdächtigen sich mit einer kritischen Debatte über die Sicherheit seiner
Services konfrontiert.
Quelle: eco Verband der deutschen Internetwirtschaft
e.V.