Trotz 39° Fieber zur DM und dann fehlten nur Zehntel:
Saskia Brall und Tim Giesen wurden Deutscher Vizemeister im Eistanzen

Oberstdorf/Neuss 12.12.2004: In einer Art Mammutveranstaltung mit über 450 teil-nehmenden Sportlern aus ganz Deutsch-land in den Disziplinen Eiskunstlaufen, Eistanzen und Synchron-Eiskunstlaufen fanden vom 8.-12.12.04 die diesjährigen Deut¬schen Nachwuchs- und Junioren-Meisterschaften statt. Mit den Ergebnissen kann der NSK wieder ganz zufrieden sein: Im Eistanzen stellt der NSK mit Saskia Brall und Tim Giesen in diesem Jahr einen Vizemeister.

Die Deutschen Nachwuchs-Meister der letzten Saison, Saskia Brall (14) und Tim Giesen (16) vom Neusser SK, wa­ren diesmal zwar die Favoriten im Eistanz-Wettbewerb - nur in der Spitzengruppe der derzeit besten Nachwuchs-Eistanzpaare sind die Leistungsunterschiede sehr gering und Sieg oder Niederlage hängen dann oft nur von der Tagesform ab und die Tagesform sah nicht gut aus für Brall/Giesen: Saskia Brall fuhr schon am Freitag mit einer dicken grippalen Infektion, mit 39° C Fieber und mit Antibiotika versorgt nach Oberstdorf. Schon die Anreise per PKW war daher kein Genuss für Saskia – denn wenn man sich unwohl fühlt, ist normalerweise das Bett der einzige erträg­liche Ort. Das Bett suchte sie dann auch sofort in Oberstdorf angekommen auf - ohne Abendessen - denn bereits für 7:30 Uhr am Samstagmorgen war das Training angesagt.

Dieses Training ist besonders wichtig, da sich hier einer­seits die Sportler mit den örtlichen Eisverhältnissen vertraut machen können (denn Eis ist nicht gleich Eis) und anderer­seits beobachten dort die Preisrichter bereits die Läufer, um sich das aktuelle Programm und die für dieses Jahr einstudierte Kür der Sportler anzusehen, um anhand von Aufzeichnungen gewisse Passagen im Wettbewerb besser bewerten zu können. Saskia und Tim waren zur frühen Morgenstunde schon gut drauf und zeigten ihr volles Programm.

 

        
        

 

Um 10:45 war dann auch schon der erste Teil des Eistanz-Wettbewerbs angesagt: die Pflichttänze. Der erste Pflichttanz war ein amerikanischer Walzer, den Brall/Giesen mit einer knappen 3:2 Entscheidung gewannen. Unverständlich: Ausgerechnet die NRW-Preisrichterin gab die schlechtesten Noten. Dann kam als nächster Pflicht­tanz der Tango. Erstplatziert wurden hier das Münchner Eistanzpaar Ekaterina Zabolotnaia und Julian Wagner. Saskia Brall und Tim Giesen erhielten diesmal nur die zweitbeste Wertung, obwohl zuschauende Eistanzspezialisten diese Preisrichterentscheidung überhaupt nicht nachvollziehen konnten – aber so ist das eben in dieser Sportart, es hängt auch viel vom jeweiligen „Preisrichterblickwinkel“ ab. Die „Tagesarbeit“ für Saskia und Tim war somit am Samstagmittag schon vollbracht, man lag zusammen mit dem Münchner Eistanzpaar auf Platz 1 nach den Pflicht­tänzen – nun musste am nächsten Tag die Kür die Entscheidung bringen und da waren Brall/Giesen frohen Mutes, denn gerade mit ihrer neuen Kür hatten sie ja erst vor zwei Wochen in Olomouc (Tschechien) die gesamte euro­päische Konkurrenz ausgestochen. Bei Saskia Brall stieg wieder das Fieber und sie legte sich schon mittags ins Bett, um durch viel Schlaf fit für den nächsten Tag zu sein.

Zu absolut unchristlichen Zeiten – auch für Bayern – d.h. bereits um 7:00 Uhr früh war dann am Sonntag das letzte Training für die Eistänzer angesetzt und der Kür-Wettbewerb startete um 9:35 Uhr, eigentlich alles keine richtigen Zeiten zum Eistanzen. Brall/Giesen hatten die Startnummer zwei ausgelost, sie mussten vor den Münchnern Zabolotnaia/Wagner aufs Eis. Zur Musik von „Matrix“ in einem schwarz-roten, futuristischen Outlook zeigten Saskia Brall und Tim Giesen eine beindruckende, ausdrucksstarke Kür. Die Hebungen, die Pirouetten, die komplizierten Schrittfolgen …. alles klappte hervorragend und die Zuschauer waren begeistert. Nur der NRW-Landestrainer Vitali Schulz runzelte sofort etwas die Stirn und meinte „ob das für den Sieg reicht?“ und dann weiter „die Beiden können es eigentlich noch besser und hier bei einer Deutschen Meisterschaft muss man top fit sein und alles zeigen“. Nur die von der Grippe geschwächte Saskia konnte leider nicht „alles“ zeigen und ein Eistanzpaar ist nur so stark wie beide Partner zusammen. Als die Preisrichter dann in den Nummernkästchen werkelten, schwante schon nichts Gutes: die Wertungen schwankten von 3,5 bis 3,8 eigentlich 0,5 Punkte zu tief für diese Klasse.

Dann folgten die Münchner Ekaterina Zabolotnaia und Julian Wagner, die zur Musik von „Chocolat“ liefen. Auch diese Kür war hervorragend vor­getragen – welche war nun besser? War die Musikauswahl für die diesjährige Kür richtig? Waren die die Hebungen niveauvoll genug? Hat das Outfit – ein nicht zu vernachlässigender Bewertungspunkt beim Eistanzen – die Preis­richter überzeugt? Die Preisrichter griffen in ihre Nummerkästchen und dann stand fest, in der B-Note für den künst­lerischen Ausdruck – wie immer man diesen bewertet – bekamen die Münchner dann die Zehntelnoten besser und sicherten sich den Gesamtsieg. Saskia Brall und Tim Giesen waren auch mit der Vizemeisterschaft zufrieden, obwohl ….

Gesamtergebnis im Eistanz Nachwuchs: Erste Ekaterina Zabolotnaia und Julian Wagner aus München, Zweite Saskia Brall und Tim Giesen vom Neusser SK und Dritte wurden Carolin Frenzel und Tobias Reisenauer ebenfalls aus Bayern.

 

 

 

Der NRW-Eistanz-Obmann Johannes Nordmann kommentierte: „Bei einer Deutschen Meisterschaft geht es mittler­weile ja auch immer um Geld, denn nach den Platzierungen werden zum Teil die Zuschüsse für die Bundesleistungs­stützpunkte verteilt und da sind wir aus NRW derzeit in drei Eistanzwettbewerben mit einem ersten, zwei zweiten und einem dritten Platz der erfolgreichste Landesverband und somit den anderen ein Dorn im Auge“.

 

Landestrainer Vitali Schulz war trotzdem recht zufrieden: „Saskia und Tim stehen erst am Anfang ihrer Karriere, sie können noch 10 – 15 Jahre erfolgreich diesen Sport betreiben und die Top-Eistanzpaare in Deutschland liegen leis­tungsmäßig alle sehr nahe beieinander“. Jetzt wird auf den nächsten großen internationalen Wettbewerb im Frühjahr hingearbeitet, der in Danzig stattfinden wird. „In der nächsten Saison müssen Saskia und Tim wieder ganz unten an­fangen, dann treten sie nämlich schon in der Junioren-Klasse an und dann werden die Karten neu gemischt“.

 

 

 

 

 

 

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