13.3.2004: Saskia Brall und Tim Giesen gewinnen den "Isar-Pokal-2004"

Am Wochenende 12.-14.3.2004 trafen sich im Olympia-Park in München über 100 Eiskunstläufer und Eistänzer der Nachwuchs- und Juniorenklasse aus 8 Nationen – darunter Österreich, Italien, Niederlande, Russland, Tschechien, Ukraine – um kurz vor Saisonende sich noch einmal international zu messen.

Die gesamte deutsche Eiskunstlauf- und Eistanz-Elite war aber in die bayrische Metropole gereist, denn man wollte noch einmal das Ranking untereinander ausloten, bevor zum Abschluss und Höhepunkt der diesjährigen Saison, der „Deutschland-Pokal“ in wenigen Tagen in Dortmund stattfindet (31.3. – 4.4.2004 - direkt im Anschluss an die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft).

In München mit dabei: Die NRW-Eistanz-Hoffnungsträger Saskia Brall (Menden b. Iserlohn) und Tim Giesen (aus Neuss) die dann als klare Sieger im Wettbewerb ihre diesjährige Klasse unter Beweis stellten.

Wie im Fußball gibt es auch im Eiskunstlaufen die „Deutsche Meisterschaft“ und den Wettbewerb um den „Deutschland-Pokal“ der Deutschen Eislauf-Union (DEU). Nur wenigen Sportlern war es bisher vergönnt, einen sog. Hattrick zu schaffen, d.h. beide Titel in der gleichen Saison zu erreichen. Nachdem Saskia Brall und Tim Giesen im letzten Dezember bei der Deutschen Meisterschaft den Titel in der Nachwuchsklasse erzielt hatten, wurde die Zielmarke höher gelegt: d.h. man peilt nun den Doppelerfolg an. Deshalb war auch die Teilnahme und der Erfolg beim Isar-Pokal in München ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg.

        

Am Freitag, um 15:00 Uhr, begann der Wettbewerb mit den sog. Pflichttänzen: Zunächst musste eine Minute ein  Rocker-Foxtrott vor den strengen Augen der Eistanz-Preisrichter gezeigt werden. Mit einer sehr knappen 3:2 Entscheidung der 5 Preisrichter wurden Brall/Giesen auf Platz 1 gesetzt – dicht gefolgt vom Berliner Eistanzpaar Tanja Kolbe und Paul Boll, die noch vor 3 Wochen beim Helmut-Seibt-Memorial-Wettbewerb in Wien vorne gelegen hatten. Aber Saskia Brall und Tim Giesen hatten ja Revanche für Wien geschworen (Bericht über die unfair empfundenen Preisrichterentscheidungen aus Wien war ja hier bereits erfolgt). Mit einer zweiten ersten Platzierung im zweiten Pflichttanz, dem Europäischen Walzer, hatten dann aber die NRW-Eistänzer den ersten Wettkampftag erfolgreich abgeschlossen. Die Pflichttänze gehen je mit 0,5 in die Gesamtbewertung ein, die entscheidende Kür mit 1,0, so dass bereits 50% des Erfolges sicher war – aber im Eistanz können sich durch die Kürentscheidung noch viele Verschiebungen ergeben. Vitali Schulz, NRW-Landeseistanztrainer: „Jetzt hoffe ich nur, dass die morgen die Ruhe bewahren und einfach cool ihr Kürprogramm durchziehen, dann sollte nicht mehr viel schief gehen“.

 

Eistanzkür entspricht 1.500 m Lauf in der Leichtathletik

Samstag war also der Tag der Entscheidung: Um 13:00 Uhr war zunächst noch ein Training in der Nachbarhalle des aus 3 Eishallen bestehenden, riesigen bayrischen Eissport-Leistungszentrums im Münchner Olympia-Park angesetzt. Auch hier ist – wie in jedem anderen Sport auch – der psychologische Wettkampf nicht ganz unwichtig: Der NRW-Landestrainer Vitali Schulz veranlasste, dass Saskia Brall und Tim Giesen, um Kondition zu sparen, im Training nicht die komplette Kür, sondern nur ihre Top-Elemente noch einmal laufen sollten. Diese klappten alle perfekt und man hatte so den Konkurrenten noch einmal kurz vor dem Wettkampf gezeigt, dass man unbedingt gewinnen wollte. Dies zeigte dann auch entspr. Resultate – die Brall/Giesen dicht auf den Fersen liegenden Berliner Eistänzer Kolbe/Boll wurden nervös, rutschten zweimal aus und patzten mehrfach.

 

Der NRW-Landestrainer anschließend: „Man muss beim Training vor einem solch wichtigen Wettkampf immer abwägen, ob man die ganze Kür noch einmal durchlaufen lässt oder nur Teile, denn man macht sich ja z.Tl. überhaupt nicht klar, welche besondere leistungssportliche Herausforderung ein solcher 2,5 Minuten dauernder Kürtanz für die Sportler ist“. Und Vitali dann weiter: „Ein solcher Kürtanz entspricht leistungstechnisch in etwa einem 1.500 m Lauf in der Leichtathletik und den läuft man ja bei großen internationalen Wettkämpfen auch nicht schnell zweimal mit voller Kraft hintereinander.“ Man merkte Vitali Schulz hierbei richtig den Frust an, den er manchmal hat, wenn Laien den Eistanzsport immer etwas belächeln „nur weil man ihn ohne Ball und ohne Stopuhr betreibt“ wie er sagt. 

        

Dann folgten noch einmal 2 bange Stunden und draußen vor der Eishalle wurde es erst einmal noch richtig laut, denn die Fans vom FC Bayern-München und von Hansa-Rostock marschierten ins nahe gelegene Olympia-Stadion zum Bundesligaspiel. Für 16:00 Uhr war dann der entscheidende Kürwettbewerb angesagt. Saskia Brall und Tim Giesen hatte die ungünstigere Startnumer 8 in der dritten Einlaufgruppe gezogen – die Berliner Kolbe/Boll hatten die bessere, nachfolgende Startnummer 9. Die Eismaschine bereitete noch einmal das Eis auf und dann durften für 5 Minuten die vier bisher bestplatzierten Eistanzpaare zum Einlaufen aufs Eis. Saskia Brall und Tim Giesen waren dann als erste dran: Die Nervosität stieg, denn beide standen schon in Startposition und statt ihrer bekannten Kürmusik "Schwarze Augen", ein Zigeunerwalzer, begann dann nach einigen endlos dauernden Wartesekunden die Pausenmusik – jemand in der Regie hatte die CD`s verwechselt. Dann begann aber doch die Kür und Saskia Brall und Tim Giesen zeigten Nervenstärke: die erste Hebung, eine Mondhebung, war perfekt, dann kamen die beiden Twizzel, auch die zweite und die dritte Hebung waren super ausgeführt, die sich ständig ändernden Schrittkombinationen klappten hervorragend, dann kam noch der Kreis, die Pirouette und dann war die 2,5 Minuten dauernde Kür beendet. Das anwesende Fachpublikum zollte minutenlangen, stürmischen Applaus und es gab von den Preisrichtern die besten Noten des gesamten Wettbewerbs. Aber noch folgten bange Minuten, denn die Berliner Konkurrenten kamen ja noch. Nur hier klappte heute überhaupt nichts, die geforderte Synchronisation fehlte, die Pirouette hatte nicht die regelkonforme Umdrehungsanzahl, Paul Boll stürzte dann sogar noch und das Berliner Eistanzpaar Tanja Kolbe und Paul Boll rutschten sogar noch auf den dritten Platz ab. Das bayrische Eistanzpaar  Ekaterina Zabolotnaia und Julian Wagner konnten sich somit noch auf den zweiten Platz vorarbeiten, welches in einem frenetischen Freudentaumel der anwesenden bayrischen Sportler und Zuschauer gefeiert wurde.

 

Jetzt wird für den Hattrick trainiert:

Deutsche Meisterschaft & Deutschland-Pokal

Der NRW-Landestrainer Vitali Schulz nach dem Sieg: „eiserne Disziplin und hartes Training führen im Sport meist zum Erfolg und bei Saskia und Tim bin ich mir sicher, dass wir in der nächsten Saison noch einen weiteren Schritt nach vorne kommen – dann auch international“.  Dann aber wieder zu Saskia Brall und Tim Giesen gewandt: „na morgen bekommt Ihr mal einen trainingsfreien Sonntag, Montag sehe ich Euch aber wieder zum Training, denn bis zum Deutschland-Pokal in 2 Wochen müssen wir weiter täglich hart durchtrainieren“.

 

Vitali Schulz dann aber noch zu allen anderen angereisten NRW-Sportlern: „Das haben wir aus NRW bisher noch nie geschafft, den Bayern auf ihrem eigenen Isar-Pokal-Wettbewerb den Sieger-Pokal wegzunehmen“.

 

Bewertung 1. Pflichttanz:
 
SPl. Name Nat. Points BAY NRW BAY SAS B-W StN.
1 Saskia BRALL / TIM GIESEN NRW 0.5 3.4 3.6 3.7 3.5 3.5 #5
3.5 3.8 3.9 3.7 3.6
6.9 7.4 7.6 7.2 7.1
3 1 1 1 2
2 Tanja KOLBE / Paul BOLL BER 1.0 3.5 3.5 3.5 3.5 3.5 #6
3.9 3.6 3.7 3.6 3.8
7.4 7.1 7.2 7.1 7.3
1 2 3 2 1
3 Ekaterina ZABOLOTNAIA / Julian WAGNER BAY 1.5 3.4 3.4 3.6 3.2 3.3 #2
3.7 3.5 3.7 3.4 3.4
7.1 6.9 7.3 6.6 6.7
2 3 2 5 4
 
Bewertung 2. Pflichttanz:
 
SPl. Name Nat. Points BAY NRW BAY SAS B-W StN.
1 Saskia BRALL / TIM GIESEN NRW 0.5 3.7 3.6 3.7 3.6 3.4 #11
3.7 3.6 3.7 3.6 3.4
7.4 7.2 7.4 7.2 6.8
1 1 1 1 2
2 Tanja KOLBE / Paul BOLL BER 1.0 3.6 3.6 3.7 3.5 3.4 #1
3.7 3.4 3.6 3.6 3.6
7.3 7.0 7.3 7.1 7.0
2 2 2 2 1
3 Ekaterina ZABOLOTNAIA / Julian WAGNER BAY 1.5 3.5 3.5 3.6 3.3 3.3 #8
3.6 3.4 3.6 3.4 3.5
7.1 6.9 7.2 6.7 6.8
3 3 3 5 3
 
 
Bewertung Kür:
 
SPl. Name Nat. Points BAY NRW BAY SAS B-W StN.
1 Saskia BRALL / TIM GIESEN NRW 1.0 3.8 4.0 4.0 3.8 3.8 #8
3.9 4.0 3.9 3.8 3.8
7.7 8.0 7.9 7.6 7.6
1 1 1 1 1
2 Ekaterina ZABOLOTNAIA / Julian WAGNER BAY 2.0 3.7 3.8 3.9 3.7 3.7 #10
3.9 3.8 3.9 3.7 3.8
7.6 7.6 7.8 7.4 7.5
3 4 2 2 2
3 Tanja KOLBE / Paul BOLL BER 3.0 3.6 3.7 3.6 3.3 3.5 #9
3.9 4.0 4.1 3.8 3.9
7.5 7.7 7.7 7.1 7.4
4 2 3 5 3
 

Endresultat:

FPl. Name Club Nat. Points C1 C1 FD
1 Saskia BRALL / TIM GIESEN NRW 2.0 1 1 1
2 Ekaterina ZABOLOTNAIA / Julian WAGNER BAY 5.0 3 3 2
3 Tanja KOLBE / Paul BOLL BER 5.0 2 2 3
4 Carolin FRENZEL / Tobias REISENAUER BAY 8.0 4 4 4
5 Greta MORETO / Daglish GAGGINO ITA 10.5 5 6 5
6 Stephanie SCHNEIDER / Thomas MAIER SAS 11.5 6 5 6
7 Ruth-Beatrice LANG / Michael ZENKNER BAY 14.5 8 7 7
8 Bettina MICHALLOK / Wolfgang SCHÄFER BAY 15.5 7 8 8
9 Marion KOCH / Rafael FRENZEL BAY 18.0 9 9 9
10 Kristin BETKE / Stefan STÜNKEL NRW 20.0 10 10 10
11 Carina RIHM / Maximilian PAßLER BAY 22.0 11 11 11

 

 

 

 

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