Im "Vereins-Informations-Dienst - VID" von November 2003 fanden wir folgenden interessanten Bericht:
Wolfgang Bär (Internationaler Arbeitskreis Sicherheit beim Skilauf e.V.) und im Medizinisch-Wissenschaftlichen Beirat, erläutert den "kleinen Unterschied".

VID: Ist es Fakt, dass Frauen kälteempfindlicher sind als Männer?
Dr. Bär:
Grundsätzlich ja. Der Körper des Mannes besteht statistisch gesehen zu 40 Prozent aus Muskel und zu 15 Prozent aus Fett. Bei Frauen ist das Verhältnis nahezu 25 : 25. Fett kann Wärme isolieren, aber nicht herstellen. Dafür ist der Muskel zuständig. Früher wurde diese "Ungerechtigkeit" der Natur mit der Gleichung "weniger Wärmeerzeugung, aber bessere Isolation" wettgemacht. Das heutige schlanke Schönheitsideal bedeutet weder genügend Wärmeerzeugung, noch genügend Wärmeisolierung.VID: Sind Frauen "dünnhäutiger"?
Dr. Bär:
Die männliche Haut ist um 15 Prozent kräftiger als die weibliche. Bei drohendem Wärmeverlust verengen sich die Blutgefäße, was bei dünnerer Haut leichter funktioniert. So wird die Hautoberfläche bei der Frau um bis zu drei Grad kälter als beim Mann und führt zu einem größeren Unterschied zum Körperinneren. Die menschliche Körperkerntemperatur von 37 Grad Celsius ist für unsere klimatischen Bedingungen von November bis Februar zu niedrig. Deshalb muss der Körper seine Innentemperatur gegen die kältere Außentemperatur regulieren durch sein Kälteempfinden. Gesteuert wird dieses im Gehirn im Hypothalamus, der auf Signale der Kälterezeptoren, von denen wir zehnmal soviel wie Wärmerezeptoren besitzen, reagiert. Wenn wir frieren ergeht vom Hypothalamus Weisung an die Muskeln zum Zittern und Zähneklappern, was sogar noch einem Bewusstlosen möglich ist.VID: Welchen Einfluss hat ein unpassender Skischuh auf das Frieren?
Dr. Bär:
Enge oder zu eng geschnallte Skischuhe verhindern den peripheren Blutkreislauf durch Abschnürung und führen damit zum Wärmeverlust, zum "Absterben" der Zehen und schließlich zur lokalen Erfrierung.VID: Inwieweit hilft eine Morgengymnastik gegen das Frieren?
Dr. Bär:
Die morgendliche Gymnastik ist zwar zum Start in den Tag auf jeden Fall zu empfehlen, die dabei erzielte Erwärmung wird jedoch kaum bis auf den angestrebten Gipfel bzw. bis zur Bergstation anhalten. Deshalb ist Aufwärmen durch muskuläre Gymnastik oder Laufen bergauf immer sinnvoll und wichtig vor jeder Abfahrt.VID: Was ist von Glühwein oder Jagertee zur Bekämpfung der Kälte zu halten?
Dr. Bär:
Zur Erwärmung tragen sie nur mittelbar bei. Alkohol erweitert im Gegensatz zu dem vom Hypothalamus ausgesandten Befehl die Blutgefäße. Der Mensch empfindet die durch vermehrte Durchblutung erzeugte Wärme als angenehm, in Wahrheit aber verliert er diese. Betrunkenen droht bekanntlich im Freien relativ leicht der Erfrierungstod.
DSV aktiv-Club der Freunde des Skisports